Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun
- Hier sind wir versammelt zu löblichem Thun,
drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Die Gläser sie klingen, Gespräche sie ruhn;
beherziget: ergo bibamus!
Das heißt noch ein altes, ein tüchtiges Wort,
es passet zum ersten und passet so fort
und schallet, ein Echo, vom festlichen Ort,
|: ein herrliches: Ergo bibamus! :|
- Ich hatte ein freundliches Liebchen gesehn,
da dacht' ich mir: Ergo bibamus!
und nannte mich freundlich, da ließ sie mich steh'n;
ich half mir und dachte: Bibamus!
und wenn sie versöhnet und herzet und Küsst
und wenn ihr das Herzen und Küssen vermisst,
so bleibet nur, bis ihr was Besseres wisst,
|: drum, Brüderchen, ergo bibamus! :|
- Mich ruft mein Geschick von den Freunden hinweg,
ihr Redlichen! Ergo bibamus!
Ich scheide von hinnen mit leichtem Gepäck;
drum doppeltes Ergo Bibamus!
Und was auch der Filz von dem Leibe sich schmorgt,
so bleibt für den Heitern doch immer gesorgt,
weil immer dem Frohen der Fröhliche borgt
|: drum, Brüderchen, ergo bibamus! :|
- Was sollen wir sagen zum heutigen Tag?
Ich dächte nur: Ergo bibamus!
Er ist nun einmal von besonderm Schlag,
drum immer aufs neue: Bibamus!
Er führet die Freude durchs offene Tor,
es glänzen die Wolken, es teilt sich der Flor,
da scheint uns ein Bildchen, ein göttliches vor,
|: wir klingen und singen: Bibamus! :|
In Weimar hat Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1810 das herrliche Trinklied "Ergo bibamus" zum 10. März
"dem Tag von besonderem Schlag", nämlich dem 34. Geburtstag der
Königin Luise von Preussen gedichtet.
Auch das in der Strophe 4 erwähnte "göttliche Bildchen"
bezieht sich auf die allseits beliebte Königin. Die Wendung "Ergo bibamus"
geht auf den Pädagegen und Philantropen Johann Bernhard Basedow zurück, der ein starker Trinker war und in seinen besten
Jahren in guter Gesellschaft einen sehr erfreulichen Humor zeigte. Er pflegte zu behaupten, die Konklusion "Ergo bibamus"
passe zu allen Prämissen.
Mit "Filz" bezeichnete man damals einen Geizhals; das Verb "schmorgen" steht hier im Sinne von "sich abdarben", oder "knausern",
einem Dialektwort aus dem Raume Frankfurt am Main, Fulda und dem westlichen Thüringen.